Pranas Navikas (1855-1933)

     Rokiškis    

          Pranas wurde in 1855 in einer Familie von Leibeigenen im Dorf Pakriaunys (Bezirk Rokiškis) geboren. Die Geschichte seines Familiennamens ist sehr interessant. Seine Eltern zogen in das Dorf Šileikiai I. Die Einwohner des Dorfes waren offensichtlich nicht an das Umziehen von einem in das andere Dorf und an neue Bewohner gewöhnt. Das Auftauchen der neuen Bewohner, deren Familienname Smalinskas oder Smalikas lautete, war ein großes Ereignis. Die Einwohner von Šileikiai nannten sie „Naujas“, „Naujikas“ – also „die Neuen“. Nachdem sie in diesem Dorf heimisch geworden waren, wurden sie „Navikas“ genannt. Der Vater von Pranas war sogar Dorfältester.
          Als die Eisenbahnverbindung Daugavpils–Šiauliai das Dorf Šileikiai erreicht hatte, bekam der junge Pranas Navikas dort Arbeit: er stellte Pfähle und Absteckstangen zur Kennzeichnung der Eisenbahnstrecke her. Für seine gute Arbeit wurde er oft gelobt.
          Beim Bau der Kirche von Rokiškis (1868-1877) verrichtete Pranas verschiedene Arbeiten. Nachdem er die in der Kirche befindlichen Heiligenskulpturen zur Genüge betrachtet hatte und mit Erlaubnis des Pfarrers sogar die eine oder andere mit nach Hause nahm, bemühte er sich, ähnliche Skulpturen zu schnitzen. Der Pfarrer der Kirche von Rokiškis schätzte seine Arbeit besonders und weihte die Skulpturen.
          Am meisten schnitzte er Skulpturen von Christus und dem Hl. Johannes dem Täufer. Er schnitzte nur aus Lindenholz, da es keine Risse bekommt. Seine Werkzeuge – verschiedene Meißel – kaufte er im Laden. Die Skulpturen bemalte er selbst. Die Farben stellte er aus gekauftem Pulver zu Hause her. Er besaß eine spezielle kleine Mühle zum mahlen der Farben.
          Später begann P. Navikas Kreuzfiguren zu gießen. Die Originale erhielt er aus der Kirche und stellte nach ihnen Formen her. Er stellte auch verschiedene Haushaltsgegenstände her: Getreideschwingen, Dreschflegel, Leinenstampfmaschinen sowie Särge. 1906 fuhr der Meister nach St. Petersburg, um eine besser bezahlte Arbeit zu suchen, erhielt jedoch nur eine Anstellung als Wächter in der Fabrik Putilov. Nach einem Jahr kehrte er nach Hause zurück. Pranas Navikas besaß im Dorf Šilaikiai I  (heute – Šileikiai) 10 ha Land. Die erwachsenen Söhne verrichteten alle Feldarbeiten, und der Vater beschäftigte sich nur mit dem Handwerk des Tischlers. Die vom Meister geschaffenen Kreuze sind nicht erhalten. Auf seinem Gehöft stand ebenfalls ein von ihm geschaffenes Kreuz.
          Um 1925 hatte Adelė Naginskienė bei Pranas Navikas ein Kreuz für ihre Mutter Rožė Mikėnaitė-Diržienė in Auftrag gegeben. Dieses Kreuz stand auf dem Friedhof von Rokiškis, stürzte jedoch am Anfang des 21. Jh. um. Für die Kirche von Rokiškis schnitzte Pranas Navikas Kreuze, die Skulptur des auferstandenen Christus und einen Schrank.
          Pranas Navikas war überdurchschnittlich groß, stark, schwarzhaarig, im Alter grau. Er konnte nicht schreiben, nur lesen. Seinen Familiennamen konnte er in Druckbuchstaben schreiben. Pranas Navikas mochte es zu singen, nahm an Dorfhochzeiten, Taufen und anderen Festen teil. Bis zum Tod war er Marschall der Kirche von Rokiškis.


© Rokiškio krašto muziejus