Ausstellung der volkstümlichen Lebensweise im Landesmuseum Rokiškis

     Rokiškis    

1959 wurde die Idee verwirklicht, neben den Gebäuden des Landgutensembles von Rokiškis ein Museum der volkstümlichen Lebensweise einzurichten. Es war das erste Museum der volkstümlichen Lebensweise in Litauen unter freiem Himmel. Diese Idee entstand, weil sich die Alltagskultur verändert hat, Einzelgehöfte wurden umgebaut, die alten traditionellen Gebäude verschwanden, ihre Bauweise veränderte sich. Um die Eigenart der volkstümlichen Lebensweise zu bewahren, wurden aus Dörfern im östlichen Hochlitauen alte Gebäude von Bauernhöfen aus dem 19. Jh. in den Park des Landesmuseums Rokiškis umverlegt. Es war geplant, hier das Bild eines alten hochlitauischen Straßendorfes wiederherzustellen. Obwohl diese Idee nicht vollständig verwirklicht werden konnte, wurden trotzdem sieben Bauernhofsgebäude unterschiedlicher Zweckdienlichkeit in den Park umverlegt.
Das erste Gebäude, das 1959 aus dem Dorf Gaigaliai im Bezirk Kupiškis herangeschafft wurde, war ein Speicher, der Ende des 19. Jh. gebaut wurde. Seine Wände sind nicht behauen, in den Ecken eingelassen. Der Bau erfolgte ohne Säge und Metallnägel. Das Dach hat zwei Schrägen, an en Enden befinden sich kleine gewölbte Dächer. Die Fassaden des Speichers weisen keine Verzierungen auf. Im Park des Landguts steht ein weiterer Speicher, der 1964 aus dem Dorf Varniškiai im Bezirk Utena hierher verlegt wurde. Das Inventar dieses Speichers ist interessant und wertvoll: ein Bottich zum Bierbrauen, Holzbottiche für Mehl, Saatkörbe und Messfässer. Beide im Park befindlichen Speicher wurden 2009 restauriert und für die Ausstellung sowie für Bildungsprogramme angepasst. Im ersten Speicher stehen zwei authentische Webstühle, hier wird das Weben gelehrt. Im anderen Speicher demonstriert ein Holzschnitzer sein Kunsthandwerk.
1964 wurde ein kleines Gebäude mit einem Innenraum errichtet, das als kleiner Vorbau bezeichnet wird. In ihm befindet sich ein Ofen zum kochen von Speisen, Futtermitteln für Tiere, zur Herstellung von Bier und zum Räuchern von Fleisch. Dieser kleine Vorbau wird mancherorts auch zur Aufbewahrung von Gemüse genutzt.
1965 wurde eine Schmiede aus dem Dorf Bareišiai im Bezirk Rokiškis zusammen mit Schmiedewerkzeugen vom Ende des 19. Jh. in das Museum umgesiedelt. Das alte litauische Kunsthandwerk vom Land erwacht im Bildungsprogramm „Mein Vati war Schmied“ zu neuem Leben.
Mit der Lebensweise des 19. Jh. werden die Museumsbesucher bekannt gemacht, wenn sie eine Rauchsauna, die aus dem Dorf Varniškiai im Bezirk Utena hierher verlegt wurde, betreten. Das Dach mit zwei Dachschrägen, drei winzige Fenster, die mit Brettern abgedeckt werden, rauchschwarze Wände im Innern, viele Arbeitsgeräte und Möbel aus Holz sowie andere im Alltag erforderliche Gegenstände schaffen die authentische Umgebung eines Bauernhauses aus dem 19. Jh.. Hier wird mit zwei Mühlsteinen gemahlen, werden Leinsamen in einem Mörser zerstoßen, hier erfährt man, zu welchem Zweck die altertümlichen Werkzeuge verwendet wurden. All das und noch mehr kann man im Bildungsprogramm „Kindheit der Urgroßeltern“ ausprobieren.
Neben den erwähnten Gebäuden steht im Park auch eine hölzerne Friedhofskapelle, auf der die Jahreszahlen 1820 und 1851 verzeichnet sind.
1970 wurde eine Scheune herantransportiert und aufgebaut, welche die einzige Krippenausstellung in Litauen beherbergt, die das ganze Jahr über geöffnet ist.


© Rokiškio krašto muziejus