Kirche des Hl. Evangelisten Matthäus von Rokiškis

     Rokiškis    

          Das Ensemble der Kirche von Rokiškis ist eines der originellsten und eindrucksvollsten Denkmäler der Neogotik in Litauen. Die Kirche wurde von den Grafen Reinoldas Tyzenhauzas (1830-1880) und Marija Tyzenhauzaitė-Pšezdzieckienė (Przezdziecka) (1827-1890) aus Rokiškis gegründet. Den Architekturentwurf der Kirche fertigte 1866 Friedrich Gustav von Schacht aus Preußen an, er wurde von Max Paul Bertschy aus Liepaja und Johann Daniel Felsko aus Riga ergänzt. In der zweiten Bauphase schuf Georg Werner aus Matrei (Tirol, Österreich) die Inneneinrichtung der Kirche, entwarf den Kirchturm, die Kapelle und den Kirchhofzaun. 1882 wurde aus Belgien die in der Werkstatt von Joseph und Ludwig Goyers hergestellte hölzerne Einrichtung der Kirche herbeigeschafft: die Kanzel, 6 Beichtstühle, Tische, der Zaun des Presbyteriums, Türen, Bänke, der Orgelschrank, 14 Heiligenfiguren. J. und L. Goyers haben nach den Zeichnungen des Architekten G. Werner auch den Baldachin des Zentralaltars und die Seitenaltäre angefertigt. In ihrer Komposition unterscheiden sie sich ein wenig von der Kanzel. Alle Holzerzeugnisse eint das Material (Natureiche) und die professionelle und unheimlich genaue Schnitzweise. Die Goyers fertigten wohl auch Kreuzwegstationen an. Die Kirche wurde 1885 konsekriert. Die Inneneinrichtung der Kirche ist im Hinblick auf Professionalität makellos. Es ist die wohl einzige Innenausstattung des 19. Jh. in Litauen, wo alle Entwürfe und Ausführungen von hochqualifizierten Architekten, Künstlern und Meistern aus dem Ausland vorgenommen wurden.


© Rokiškio krašto muziejus